Projekt zur Wiederauswilderung gefangener Wildtiere in ihre natürliche Umgebung in der Region Rurrenabaque, im Biosphären Reservat Pilón Lajas und im Nationalpark Madidi im amazonischen Bolivien

1. Vorgeschichte
Im Amazonasgebiet verursacht das Fortschreiten menschlicher Aktivitäten in den Primärurwäldern ernst zu nehmende Probleme für die dort lebende Tierwelt. In der Region Rurrenabaque besetzen immer mehr Menschen Länderein oder werden dort angesiedelt, um Landwirtschaft, Holzeinschlag oder Jagd zu betreiben und andere Aktivitäten zu entfalten. Zur Ernährung, zum Lebensunterhalt oder aber auch zum Schutz der eigenen Haustiere (Hühner, Schweine) werden unter anderem Jaguare, Pumas, Affen usw. gejagt. Die Jungen der getöteten Elterntiere verbleiben in den indigenen Gemeinden. Wenn diese Jungtiere heranwachsen und größer werden, verursachen sie ernsthafte Probleme in den Familien der Dörfer, speziell dann, wenn diese Tiere gefährlich für den Menschen sind. Zurückführbar auf das vorher genannte Problem und auf das in den Leuten gewachsene Bewusstsein, keine wilden Tiere in Gefangenschaft zu halten, haben das Biosphären Reservat Pilón Lajas und der Nationalpark Madidi in den letzten Jahren viele Wildtiere zur Wiedereingliederung in ihre natürliche Umgebung erhalten. Problematisch ist, dass keiner der beiden Naturparks über die nötigten Mittel verfügt, um den Prozess der Wiedereingliederung zu verwirklichen. Es ist nur möglich die Tiere in die Außencamps der Ranger zu bringen und sie freizulassen. Von dort entfernen die Tiere sich nach und nach, bis sie allein zurechtkommen müssen. Dieses System funktioniert mehr oder weniger gut mit nicht aggressiven Tieren wie Affen, Ameisenbären, Faultieren, Dachsen und anderen. Wegen ihrer Gefährlichkeit ist diese Verfahrensweise nicht mit großen Raubtieren wie dem Jaguar, dem Puma oder dem Tigrecillo realisierbar.

Aus diesem Grund strebt das Projekt der Tierstation an, ein Zentrum zur Wiedereingliederung von Wildtieren zu errichten, das speziell auf die Wiedereingliederung von Jaguar, Puma, Tigrecillo und andere Wildtiere abzielt.

2. Projektbeschreibung
Das Zentrum der Wildtierstation wird zwölf Kilometer vom Urwaldstädtchen Rurrenabaque entfernt, nahe der indigenen Gemeinde Carmen Soledat errichtet. Es ist eine Privatinitiative des Projektes Regenzeit e.V., sowie Privatpersonen, unterstützt vom Biosphären Reservat und der indigenen Komunidad Pilón Lajas.
Das Zentrum wird hauptsächlich für gefährliche, in Gefangenschaft geratene Wildtiere bestimmt sein, wie z.B.

  • Jaguar (Pantera onca)
  • Puma (Puma concolor)
  • Ozelot (Leopardos pardales)
  • Tigrecillo (Oncifelis geoffroyi)
Aber auch andere bedrohte, ungeschützte oder gefährdete Arten wie z.B.
  • Marimono (Ateles chamek oder ateles paniscus)
  • Brüllaffe (Alouatta senículus)
  • Ameisenbär (Myrmecophaga tridactila)
  • Tapir (Tapirus terrestres)
  • Wildschwein (Tayassu pecari)
  • Taitetú (Tayassu tajacu)
  • Rotwild (Mazama americana)
finden in der Station ein neues zu Hause.

Das Projekt strebt an, ein Zentrum zur Rehabilitierung und Wiederein-
gliederung oder Wiedereinführung in Gefangenschaft gehaltener Wildtiere in ihre natürliche Umgebung zu errichten. Die Tiere wurden von Behörden sichergestellt oder von ihren Fängern zurückgegeben.

Momentan existiert kein Medium für den Wiedereingliederungsprozess!

Mit dem Projekt wird beabsichtigt einen Platz zu schaffen, zu dem diese in Gefangenschaft gehaltenen Tiere zurückgeholt werden können um ein artgerechtes Verfahren zur Wiedereingliederung ins Wildleben zu ermöglichen.

Die vorgesehenen Schritte sind:
  • Zurückholung der Tiere
    Zu Beginn der Tätigkeit des Wildtierrehabilitations- und Wiedereingliederungszentrums wird nur mit Tieren gearbeitet, die freiwillig abgegeben werden. Nach und nach wird durch Kampagnen zur Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung von Rurrenabaque und den angrenzenden Kommunen ein Rückholungsverfahren für Tiere verwirklicht.
  • Quarantänehaltung zur Beobachtung und Erkennung ansteckender Krankheiten (Quarantänehaltung und Rehabilitierung)
    Ist ein Wildtier einmal im Zentrum angekommen wird es zur Erkennung von Krankheiten, Behandlung von Verletzungen und deren Heilung, unter Quarantäne und Beobachtung gestellt.
    Das Zentrum verfügt über die notwendige Infrastruktur um verschiedene Großkatzen gleichzeitig zu halten, einen kleinen Saal der als Klinik fungieren soll und die benötigten Medikamente zur Behandlung und Heilung. Betreut werden die Tiere von einem festangestellten Tierarzt.
    Um eine fachgerechte Betreuung der Tiere zu gewährleisten ist es wichtig über gesicherte finanzielle Mittel zu verfügen, um die Infrastruktur und Ausstattung der Klinik und den Quarantänebereich in seiner Gesamtheit qualitativ zu verbessern. Des Weiteren müssen beständige Geldmitteln für Gehälter, Medikamente und Ausstattung für die Rehabilitierung der Tiere kalkuliert werden.
  • Umsiedlung in ein Waldgehege, wo die Tiere weiterhin unter strikter Beobachtung gehalten werden (Erste Phase der Wiedereingliederung)
    Diese erste Phase der Wiedereingliederung wird in einem Waldgebiet verwirklicht, welches sich nicht weit vom Quarantänegebiet befindet, da die Tiere unter strikter Beobachtung gehalten werden müssen.
    Die Infrastruktur beinhaltet geschlossene Käfige in einem eingezäunten Gebiete, wodurch die notwendige Sicherheit für Mensch und Tier gewährleistet wird. In dieser Phase wird der Anpassungsprozess der Tiere an das Wildleben eingeleitet, sie lernen zu jagen um sich selbst zu versorgen. Die Tiere werden in dieser Etappe vom Personal der Station beobachtet und versorgt, anfänglich durch Haustiere, wie Hühner und Kaninchen und später durch gezüchtete Wildtiere aus einer eigenen Zuchtsstation. Betreut werden die Tier von einem Tierzuchtexperten. Mittelfristig ist mit der Unterstützung von Studenten für Tierzuchttechnik und Biologen der Universitäten Beni und La Paz zu rechnen. Von Freiwilligen und Studenten können Aushilfsarbeiten, Überwachungen, Evaluierungen und Untersuchungen der verschiedenen Spezies, die sich im Zentrum befinden durchgeführt werden.
  • Umsiedlung in ein anderes abgelegeneres Waldgehege, um die Gewöhnungsphase an das Wildleben unter geringst möglichen menschlichen Eingriffen einzuleiten (Zweite Phase der Wiedereingliederung)
    Diese Phase wird in einem abgelegenen Gebiet des Privatwaldes realisiert, das nach den Charakteristiken von Primärwäldern ausgewählt wurde. In diesem Gebiet wird die Endphase der Wiedereingliederung durchführt. Dieses Gelände befindet sich entfernt von der restlichen Infrastruktur und wird über Käfige und umzäunte Gebiete verfügen, die die Sicherheit der Tiere garantieren und deren Flucht verhindern. Nur vereinzelt entstehen verdeckte Beobachtungsposten.
    Es ist notwendig mit Unterstützung der Biologen und spezialisiertem Personal der zuvor erwähnten Universitäten, Überwachungen und Beobachtungen durchzuführen, jedoch nur durch oben erwähnte Posten, um jegliche Art von Kontakt mit den Tieren im Wiedereingliederungsprozess auf ein Minimum zu begrenzen. In dieser Ausbauphase wird die Station voraussichtlich schon über eine kleine Nachzucht verschiedener Spezies verfügen, welche als lebende Nahrungsmittel für die Raubtiere im Wiedereingliederungsverfahren benutzt werden können.
  • Identifizierung der möglichen Zonen innerhalb des Reservats Pilón Lajas oder des Nationalparks Madidi für ihre endgültige Wiedereingliederung in die Wildnis (Endphase der Wiedereingliederung)
    Der endgültige Ort für die Wiedereingliederung der Tiere in ihr natürliches Umfeld in den Nationalparks ist bereits ausgewählt. Dieser befindet sich in einer sowohl unbewohnten als auch von dem Reservat Pilón Lajas ungenutzten Zone nahe dem Kontrollposten Suapi. Der Posten ist von Rurrenabaque aus auf dem Fluss Beni in fünf Stunden Bootsfahrt flussaufwärts zu erreichen.
    Diese ausgewählte, von der Direktion des Reservats Pilón Lajas garantierte Zone ist ideal um die Tätigkeit der Wiedereingliederung zu verwirklichen. Da sich in diesem Gebiet keine Kommune angesiedelt hat, es weder Jagdaktivitäten noch irgendeine andere Form der Gewinnung oder Nutzung von Ressourcen gibt, wird diese Zone als sehr geeignet angesehen. Außerdem grenzt das Schutzgebiet Pilon Lajas direkt an den Madidi Nationalpark.
    In dieser Phase wird die Überwachung mit Unterstützung des spezialisierten Personals und der Wildhüter des Reservats durchgeführt.

2.1 Infrastruktur
Bau eines Quarantänegeländes mit einer Fläche von 16 m², welches mit zwei Räumen von 2 x 4 m Grundfläche ausgestattet ist. Hier ist es möglich, die Tiere zeitweise zu halten und sie unter Beobachtung zu stellen. Diese Sektion ist mit Drahtzaun geschlossen und verfügt über zwei Käfige die als Schutz und Schlafraum dienen.
Bau eines Geländes zur Fortführung der Gefangenschaft vor der Wiederauswilderung. Für dies Bereich wurden zwei Hektar (20.000 m²) ausgewiesen. Das gesamte Gelände ist von einem zwei Meter hohen Drahtzaun eingeschlossen und in verschieden große Gehege abgeteilt. Dieser Teil der Infrastruktur ist der kostspieligste Teil des Projekts, da das Hauptmaterial nicht aus örtlichen Quellen kommt, sondern in der Stadt La Paz gekauft werden musste.
Bau eines kleinen Operations- und Auswertungszentrums, welches dazu dienen soll, die gesamten Informationen und Register darzulegen und zu verwalten, die aus dem Prozess erlangt werden. Diese Informationen werden sowohl Forschern, als auch Interessenten für den Verlauf und deren Tätigkeit dienen.
Bau eines Informationszentrums

2.2 Grundausstattung

  • Betäubungsgewehr
  • Photovoltaikanlage
  • Arbeitsmaterialien und Lieferungen
  • Anfangslagerbestand von Medikamenten
  • Anfangsfond für Operationen und Verpflegung der Tiere

2.3 Betrieb, Verwaltung und Unterhalt
Dieser Teil wird abgedeckt durch Mittel des deutschen Vereins Projekt Regenzeit e.V. mit der Unterstützung des Reservat Pilón Lajas.

3. Grundinvestitionen

Beschreibung Menge Preis/Einheit ($US) Gesamt ($US) Gesamt (€)
Drahtzaun für Umzäunung 800 x 2 m 1.600 1,80 2.880 2.000
Pfosten für Umzäunung
2,5 m hoch x 4 x 4"
300 2 600 500
Quarantänegelände 1 250 250 208
Auswertungszentrum 1 1.500 1.500 1.250
Solarpaneele 1 500 500 417
Türen 1 150 150 125
Betäubungsgewehr 1 250 250 208
Medikamente 1 50 50 42
Gesamt     6.480 5.400

Die oben genanten und aufgeführten Grundinvestitionen sind mit dem Stand April 2007 bereits vollständig gedeckt. Weiter Mittel für die Infrastruktur und die laufenden Kosten (pro Großkatze ca. 1700 Dollar pro Jahr) der Station werden dringend benötigt. Möglichkeiten ihrer Unterstützung und Hilfe erfahren sie unter www.urwaldprojekte.de
Direkte Anfragen können sie auch über unser Kontaktformular an uns stellen. Danke für ihre Hilfe!
Ilka Sohr & Torsten Roder

gefangenes Affenjunges
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Planungen zur Wildtierstation
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